Standortentwicklung.
18 Windräder zur Versorgung aller Haushalte? Was die Energiedaten über die Zukunft des Landkreis Miesbach verraten
22.06.2026
- REO analysiert die Energiestrukturen im Landkreis
- Große Potenziale bei Wärme und Strom, aber auch Handlungsbedarf
- Energie wird zunehmend zum Standortfaktor für den Landkreis Miesbach
Die Energiezukunft des Landkreis Miesbach wird nicht in 20 Jahren entschieden – sondern heute. Ob Heizungswechsel, Gebäudesanierung, Photovoltaikanlage oder der Ausbau erneuerbarer Energien: Viele Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, prägen die Energieversorgung der nächsten Jahrzehnte. Die Regionalentwicklung Oberland (REO) hat die Energiestrukturen im Landkreis genauer unter die Lupe genommen und dabei gemeinsam mit dem Klimaschutzmanagement des Landratsamtes zentrale Entwicklungen und Potenziale analysiert.
Der Landkreis Miesbach steht – wie viele Regionen in Deutschland – vor tiefgreifenden Veränderungen im Bereich Energie. Für Unternehmen ist Energie ein entscheidender Kostenfaktor und zunehmend ein Standortkriterium, für Kommunen eine Frage der Versorgungssicherheit, Infrastruktur und Zukunftsfähigkeit. Gleichzeitig bleibt Energie im Alltag häufig abstrakt. Nach der Analyse der Strukturdaten zum Thema Wohnen standen für die REO die Energiestrukturen des Landkreises im Fokus. Grundlage waren die Daten des Energie-Atlas Bayern sowie die Energie- und Treibhausgasbilanz des Landratsamtes Miesbach.
Der Blick auf die Zahlen zeigt: Ein großer Anteil des Energieverbrauch im Landkreis entfällt auf den Wärmesektor. Mit rund 1,25 Millionen Megawattstunden liegt der Energiebedarf für Wärme etwa dreimal so hoch wie ebenjener für Strom. Dieser lag 2023 bei 397.996 Megawattstunden – genug um mit einem E-Auto 80.000 mal um die Welt zu fahren. Der Grund für den hohen Energieverbrauch im Wärmesektor liegt vor allem im Gebäudebestand. Mehr als die Hälfte aller Gebäude im Landkreis wurde vor 1978 errichtet – zu einer Zeit, in der energetische Standards noch kaum eine Rolle spielten. Entsprechend groß sind die Potenziale für Sanierung, Effizienzsteigerung und langfristig sinkende Energiekosten.
Der Landkreis erzeugt erst ein Viertel seines Stroms selbst
Um sich in Zukunft von globalen Unsicherheiten weiter unabhängig zu machen, ist eine regionale Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien unabdingbar. Im Vergleich zur Region zeigt sich dabei noch deutlicher Handlungsbedarf: Während das Oberland insgesamt bereits einen erneuerbaren Deckungsgrad von rund 94 Prozent erreicht, werden im Landkreis Miesbach derzeit lediglich rund 26 Prozent des verbrauchten Stroms aus regionalen erneuerbaren Quellen erzeugt.
„Gerade im Bereich Strom leisten wir als Landkreis derzeit noch den geringsten Beitrag zur Energiewende im Oberland“, so Vorstand Alexander Schmid. „Das ist keine Kritik, sondern eine Chance. Hier liegen enorme Potenziale zusätzliche Wertschöpfung in den Landkreis zu holen.“
Dabei dürfte der Strombedarf in den kommenden Jahren weiter steigen. Wärmepumpen, Elektromobilität und die zunehmende Elektrifizierung vieler Lebens- und Wirtschaftsbereiche werden mehr Strom benötigen. Umso wichtiger wird es, diesen möglichst regional und erneuerbar bereitzustellen.
18 Windräder für alle Haushalte – Gedankenskizze zur Strombilanz
Besonders anschaulich wird die Größenordnung beim Blick auf ein Rechenbeispiel. Ein modernes Windrad wie die Anlage in Otterfing erzeugt jährlich rund 8.000 bis 9.000 Megawattstunden Strom und versorgt rechnerisch etwa 2.600 Haushalte. Um den Strombedarf aller privaten Haushalte im Landkreis Miesbach abzudecken, wären rein rechnerisch rund 18 solcher Anlagen notwendig. Für den gesamten Stromverbrauch des Landkreises – also inklusive Gewerbe und Industrie – sind etwa 48 Anlagen nötig. Die dauerhaft beanspruchte Fläche läge dabei bei lediglich rund 14 Hektar und damit bei weniger als 0,02 Prozent der Landkreisfläche. Alternativ könnte der gesamte Strombedarf rechnerisch auch durch Solarparks auf rund 400 Hektar gedeckt werden – weniger als einem halben Prozent der Landkreisfläche.
„Dabei handelt es sich um theoretische Szenarien“, betont Schmid. „Sie zeigen jedoch, dass die Diskussion um Flächenbedarf häufig in anderen Größenordnungen geführt wird als die tatsächlichen Zahlen vermuten lassen. In der Praxis wird ein ausgewogener Energiemix aus Photovoltaik, Windkraft, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie entscheidend sein.“
Als Teil der Energiewende Oberland hat sich der Landkreis Miesbach das Ziel gesetzt, seine Energiezukunft aktiv zu gestalten.
„Wir werden die Herausforderungen der kommenden Jahre nur gemeinsam bewältigen. Die Energiewende ist keine Aufgabe einzelner Kommunen oder einzelner Bürger. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt der gesamten Region“, so Schmid.
Alle Zahlen etwa zum Stromverbrauch, zur Energieerzeugung und zum verarbeitenden Gewerbe sowie die Analyse finden Interessierte unter https://www.regionalentwicklung-oberland.de/strukturdaten-energie/.
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