Standortentwicklung.
Wenn Fachkräfte fehlen und Wohnraum knapp wird
17.06.2026
- Erste regionale Entwicklungskonferenz der REO bringt Entscheider, Kommunen und Unternehmen an einen Tisch
- Mehr als 80 Teilnehmende diskutieren im BOSCH Collaboration Campus über Wohnraumentwicklung, Fachkräftesicherung und die Zukunft knapper Flächen.
Der Fachkräftemangel und die Wohnraumknappheit werden häufig als getrennte Herausforderungen diskutiert. Tatsächlich hängen beide Themen eng zusammen und entscheiden zunehmend darüber, wie attraktiv und wirtschaftlich stark eine Region in Zukunft bleibt. Genau dieser Zusammenhang stand im Mittelpunkt der ersten REONALE, der neuen regionalen Entwicklungskonferenz der Regionalentwicklung Oberland (REO). Im Landkreis Miesbach kamen dazu Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Kommunen, Verwaltung und Fachorganisationen in Holzkirchen zusammen.
„Regionalentwicklung bedeutet, Zusammenhänge zu erkennen und die richtigen Rahmenbedingungen für die Zukunft zu schaffen“, sagte REO-Vorstand Alexander Schmid zur Eröffnung der REONALE 2026 im BOSCH Collaboration Campus Holzkirchen. Das neue Veranstaltungsformat der REO wurde dabei ganz bewusst als Arbeits- und Beteiligungsformat konzipiert. Mehr als 80 Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung sowie engagierte Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung der REO gefolgt, um neue Lösungsansätze für ein Thema zu entwickeln, das viele Unternehmen und Kommunen gleichermaßen beschäftigt: den engen Zusammenhang zwischen Fachkräftegewinnung, Wohnraummangel und knappen Flächenressourcen.
Der Landkreis Miesbach zählt zu den attraktivsten Regionen Bayerns – gleichzeitig steigt der Druck auf verfügbare Flächen und den Wohnungsmarkt. Neue Baugebiete sind vielerorts kaum noch möglich. Umso wichtiger sei es, vorhandene Gebäude, Flächen und Ortskerne neu zu denken und bestehende Potenziale besser zu nutzen.
Dass die Herausforderungen nur gemeinsam gelöst werden können, betonte auch Landrat Jens Zangenfeind. „Wohnen und Fachkräfte sind zentrale Zukunftsthemen für unseren Landkreis. Sie betreffen unsere Wirtschaftskraft genauso wie die Lebensqualität der Menschen vor Ort. Umso wertvoller ist es, dass hier so viele unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen und gemeinsam an Lösungen arbeiten.“
Wie solche Lösungen entstehen können, zeigte die Keynote von Korbinian Kroiß, Geschäftsführer der nonconform Ideenwerkstatt Deutschland. Sein Impuls machte deutlich, dass die Zukunft der Region nicht allein durch neue Baugebiete entschieden wird. Vielmehr gehe es darum, bestehende Räume neu zu denken, Mehrfachnutzungen zu ermöglichen, Kooperationen zu stärken und Menschen frühzeitig in Entwicklungsprozesse einzubinden. Die besten Lösungen entstünden dort, wo unterschiedliche Interessen zusammenkommen und gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Wie sich dieser Ansatz in der Praxis umsetzen lässt, wurde anschließend in drei Workshops vertieft. Diskutiert wurde unter anderem über eine Wohnraum-Matching-Plattform, die Unternehmen, Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Initiativen gezielt zusammenbringen soll. Außerdem befasste sich eine Gruppe in einem zweiten Workshop mit der Frage, wie Gemeinden den steigenden Anforderungen rund um Wohnraumbedarf, Leerstände, Nachfolgeregelungen und gesellschaftlichen Wandel begegnen können. Dabei ging es nicht nur um Herausforderungen, sondern vor allem um konkrete Gestaltungsmöglichkeiten und die Frage, wie vorhandene Handlungsspielräume strategisch genutzt werden können, um die Entwicklung der Orte aktiv zu steuern. Als möglicher Lösungsansatz wurde mehrfach die Rolle eines Leerstandslotsen diskutiert, der Eigentümerinnen und Eigentümer bei der Aktivierung ungenutzter Gebäude begleitet und Akteure zusammenbringt.
Gemeinsam mit der Taskforce Fachkräftesicherung FKS+ beleuchteten die Teilnehmenden im dritten Workshop die Chancen internationaler Fachkräfte und Auszubildender für den regionalen Arbeitsmarkt sowie die Hürden, auf die Unternehmen im Alltag noch stoßen. Als zentrales Ergebnis der Diskussion kristallisierte sich heraus, dass die größte Herausforderung häufig nicht in der Rekrutierung liegt, sondern in der erfolgreichen Integration und langfristigen Bindung der Fachkräfte an die Region. Gleichzeitig zeigte sich, dass viele bestehende Unterstützungs- und Beratungsangebote Unternehmen bislang nicht ausreichend bekannt sind.
Zum Abschluss zeigte Dr. habil. Sabine Hafner von KlimaKom noch zwei Praxisbeispiele aus anderen Regionen auf. Dabei wurde klar: Häufig fehlen nicht Ideen oder finanzielle Mittel, sondern Menschen, die Prozesse koordinieren, moderieren und Akteure zusammenbringen. Wo Kommunen, Eigentümer und Unternehmen gemeinsam handeln, können aus vorhandenen Flächen und guten Ideen erfolgreiche Projekte entstehen.
Für die REO endet die Arbeit mit der Veranstaltung nicht. Die Ergebnisse der REONALE werden nun aufbereitet und öffentlich zugänglich gemacht. Sie bilden die Grundlage für die weitere Entwicklung des Regionalmanagements und sollen dazu beitragen, konkrete Lösungen für die Zukunft des Landkreises auf den Weg zu bringen.
„Die Herausforderungen sind bekannt. Entscheidend ist, dass wir jetzt gemeinsam daran arbeiten, wie wir künftig leben, wohnen und arbeiten wollen“, so das Fazit von Alexander Schmid. „Genau dafür wurde die REONALE ins Leben gerufen.“
Laura Alt
Projektmanagerin
+49 (0) 80 25 – 993 72 29
laura.alt@regionalentwicklung-oberland.de
Pressekontakt
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